Drei Stunden Kampf ohne Happyend – TTF verärgert über strittige Schiedsrichterentscheidungen

Die TTF Liebherr Ochsenhausen haben die wichtige Bundesligapartie des 15. Spieltags beim SV Werder Bremen mit 2:3 verloren. Es ging über die volle Distanz. Das Ochsenhauser Doppel Simon Gauzy/Samuel Kulczycki musste nach exakt 180 Minuten Gesamtspielzeit ein 2:3 gegen das Werder-Duo Marcelo Aguirre/Hunor Szöcs quittieren, wobei dessen 13:11-Erfolg im Entscheidungssatz durch zwei umstrittene Schiedsrichterentscheidungen begünstigt wurde.

Zunächst sah sich der junge Samuel Kulczycki mit Vizeweltmeister Mattias Falck konfrontiert, der einen besonders guten Tag erwischt hatte. Kulczycki hielt sehr gut mit, konnte aber eine 1:3-Niederlage nicht verhindern. Hugo Calderano hatte anschließend wenig Mühe, durch ein 11:6, 11:7 und 11:4 gegen Hunor Szöcs den Ausgleich unter Dach und Fach zu bringen.

Gegen Kirill Gerassimenko musste Simon Gauzy über fünf Sätze gehen, hatte den Kasachen jedoch im Entscheidungsdurchgang (11:5) recht gut im Griff. „Gerassimenko hat Simon schon oft heiße Duelle geliefert, sein Spiel liegt Simon nicht so gut, weil es zwischen den beiden ständig über die Rückhand geht“, erläutert TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. „Doch Simon hat es gut gelöst.“ 19:4 lautet nunmehr die beeindruckende Bundesligabilanz des 26-jährigen Franzosen.

2:1, Hugo Calderano hätte nun gegen Falck den Sack zumachen können, doch es misslang. Der Schwede spielte herausragend und brachte dem Brasilianer mit 11:8, 11:9 und 12:10 die erste Einzelniederlage der Saison in der TTBL bei. „Mattias ist ein Topspieler, er hat unglaublich gut gespielt“, erkannte Calderano die Leistung seines Gegners an. Auch Pejinovic zollte Falck Respekt für dessen bärenstarken Auftritt: „Mattias Falck ist derzeit richtig gut in Form und hat nicht von ungefähr seine letzten sechs Matches gewonnen. Kein Vorwurf an Hugo.“

Es ging also ins Doppel und das wurde eine haarige Abgelegenheit. Simon Gauzy/Samuel Kulczycki, im Pokalhalbfinale gegen Bergneustadt Matchwinner für die TTF, gewannen den ersten Satz knapp mit 12:10, mussten im zweiten ein klares 3:11 hinnehmen und verloren den dritten Durchgang knapp (9:11). Im vierten Satz hatten sie wiederum das Heft in der Hand (11:3) und der fünfte war dann nichts für schwache Nerven. Dann der erste strittige Moment: Bei 7:6-Führung für die Ochsenhauser setzte Marcelo Aguirre einen Ball an die Außenkante, doch anstatt auf 8:6 zu entscheiden, gab der Schiedsrichter den Punkt an die beiden Bremer zum 7:7. „Es war so klar zu erkennen, dass der Ball außen war“, so Kristijan Pejinovic. „Natürlich muss ein Schiedsrichter schnell eine Tatsachenentscheidung treffen, doch Aguirre hätte ihn darauf hinweisen müssen. Dass er es nicht getan hat, war kein Fairplay.“ Später beim Stand von 11:12 – das TTF-Duo hatte zwischenzeitlich einen Matchball vergeben – spielte Samuel Kulczycki einen ganz ähnlichen Ball wie zuvor Aguirre, den der Schiedsrichter aber im Aus sah. Damit war nicht nur das Match, sondern die gesamte Partie entschieden. Es endete mit einem Missklang, schade bei einer solch hochklassigen, dramatischen Partie. Dass die Ochsenhauser, ihrer Unzufriedenheit auch Luft machten, ist sicher nur zu verständlich.

„Das ist heute wirklich unglücklich für uns gelaufen“, zog Pejinovic Bilanz. „Die heutige Niederlage und die Niederlage in Mühlhausen waren schon ärgerlich, diese Punkte hätten wir gebraucht, um ein Polster zu schaffen. Kein Vorwurf an das Team, der Kampfgeist war absolut da, nun gilt es, den Mund abzuputzen und sich umso mehr vorzubereiten. Jetzt haben wir nur noch extrem wichtige Spiele vor uns.“

Durch die Niederlage sind die TTF mit nun 20:12 Punkten auf Platz drei der Bundesligatabelle zurückgefallen, was an sich kein Beinbruch wäre, wenn es nicht durch die Ergebnisse des Dienstags inzwischen in der Tabelle so eng zugehen würde, dass die Rivalen bis hin zum Tabellenachten Bergneustadt nach Minuspunkten nur maximal zwei Zähler entfernt sind. Und Grünwettersbach (3:2-Sieger in Saarbrücken), das erste Team auf einem Nicht-Play-off-Platz, hat lediglich eine Partie weniger ausgetragen und weist aktuell 18:12 Punkte auf, ist also ganz dicht dran an den TTF. Und deren nächste Aufgabe, das Heimspiel gegen Ligaprimus Düsseldorf am 5. Februar, könnte schwieriger nicht sein. Zwei Tage später geht es dann nach Grünwettersbach, und da wäre eine Niederlage fatal. Man muss jedenfalls davon ausgehen, dass es noch ein langer Weg bis zur Qualifikation für die Play-off-Runde sein wird und dass Simon Gauzy und Kollegen in den ausstehenden sechs Partien noch einige Male absolute Topleistungen abrufen müssen, um das große Ziel, das eigentlich nur ein Zwischenziel ist, zu erreichen.

SV Werder Bremen – TTF Liebherr Ochsenhausen 3:2

Mattias Falck – Samuel Kulczycki 3:1 (11:8, 11:8, 10:12, 11:7)
Hunor Szöcs – Hugo Calderano 0:3 (6:11, 7:11, 4:11)
Kirill Gerassimenko – Simon Gauzy 2:3 (9:11, 12:10, 8:11, 11:9, 5:11)
Mattias Falck – Hugo Calderano 3:0 (11:8, 11:9, 12:10)
Marcelo Aguirre/Hunor Szöcs – Simon Gauzy/Samuel Kulczycki 3:2 (10:12, 11:3, 11:9, 3:11, 13:11